Frankfurter Neue Presse, 14. November 2001

Neue Farben für Heesters' alte Film-Operette

Frankfurt. "Die Fledermaus" kehrt zurück im alten Glanz. Der Ufa-Streifen von 1944 wird derzeit von der F.-W.-Murnau-Stiftung Wiesbaden, der ARD-Degeto Frankfurt und der Studiebetriebsgesellschaft bibo tv Bad Homburg mit Hilfe digitaler Technik restauriert. Die Fernsehfassung des Musicals nach der gleichnamigen Operette von Johann Strauß soll in drei bis vier Monaten fertig gestellt sein.

Johannes Heesters, der die Hauptrolle in der Operettenverfilmung spielte, ist begeistert angesichts der bevorstehenden Wiedergeburt "dieses wunderbaren Filmes". "Der Film wird wiederkommen, neu aufgeputzt, mit neuen Farben und neuem Ton. Ich hoffe, dass ich das noch erleben werde", sagte Heesters bei der Präsentation bereits restaurierter Filmausschnitte auf dem Fachkongress für Film und Postproduktion "eDIT" im Kongresszentrum der Messe.

Außerdem erzählte der ewig junge Charmeur Heesters, der am 5. Dezember seinen 98. Geburtstag feiert, wie die widrigen Umstände im Kriegsjahr 1944 die Dreharbeiten zum Film erschwerten. "Man wurde kontrolliert und musste immer aufpassen, was man sagte. Aber wir ließen uns von den Nazis den Spaß nicht verbieten", erinnerte sich "Jopie". Aus Jux sei er bei den Dreharbeiten in Prag sogar einmal im Kostüm seiner Filmpartnerin Marte Harell auf die Bühne gegangen - als feine Dame mit Fächer, Perücke und Ohrringen.

Die Originalfilmbänder der "Fledermaus" lagerten Mitte der 40er Jahre monatelang in Bunkern, wurden dann in der DDR gezeigt und gelangten erst in den 50er Jahren nach Westdeutschland. Die Folgen dieser Odyssee: Verblasste, rotstichige Farben, Schrammen, Verschmutzungen, Schlieren, Risse, fehlende Einzelbilder und störende Nebengeräusche. "Unser Anspruch war es, Ton und Farben möglichst originalgetreu wieder herzustellen, ohne die Charakteristik des Films zu verfälschen", sagte Marc Schroeder von der Degeto. Zwei alte Kopien (eine davon aus der DDR mit russischen Untertiteln) verarbeiteten die Restaurateure mit Hilfe digitaler, computergesteuerter Technik zu einer neuen. Die Überarbeitung der "Fledermaus" sei günstig, verglichen etwa mit den Kosten für die Restauration von "Casablanca", sagte Werner Bibo, Geschäftsführer von bibo tv. "Wir rechnen mit einem hohen sechsstelligen Betrag". (jfl)

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